„Er wird sich nicht ändern.“

Er war viel zu jung, eigentlich noch ein Baby, als sie ihn wegbrachten. Weg von seiner liebenden Mutter und weg von seinen Geschwistern in eine neue, fremde Familie. Ja, in eine neue Welt. Er hatte große Angst und war verunsichert. Alles war so anders und er war ganz allein, keiner da, den er kannte und dem er vertraute. Es gab niemanden mit dem er sprechen konnte, niemanden, der ihn verstand.


Er würde wohl alleine bleiben. Die Wohnung war nicht groß genug und eines würde ja genügen. Die Familie nahm sich vor, ihm alle Liebe zu geben, die sie hatten und ihren einzigen Schatz ganz besonders zu verwöhnen. 

„Es wird schon gehen, er hat ja uns.“

Und er gewöhnte sich an die neue Situation, gewann seine Familie lieb und lebte sich ein. Er wurde älter. 

Aus Sorge der neuen Familie konnte er kaum das Haus verlassen und verbrachte seine Zeit in der Wohnung. Freunde hatte er außerhalb seiner Familie keine. 


Es war nicht einfach. Er machte ins Bett, war lange unsauber und hyperaktiv. Teilweise auch aggressiv und unberechenbar. Unausgelastet.

„Er ist schwierig.“, „Wir haben es nicht leicht mit ihm.“, „Was sollen wir denn noch tun?“

Es wurde viel geschimpft, Tränen wurden vergossen, und die Ratlosigkeit der Familie wuchs.


Er hingegen fühlte sich schrecklich einsam, unverstanden und deprimiert. Sollte das wirklich sein Leben sein? Es ging ihm nicht gut und er versuchte verzweifelt, sich mitzuteilen. Wieso hörte keiner hin? 


„Es geht einfach nicht mehr.“, „Er hat zu viele Fehler gemacht.“, „Wir kommen mit ihm nicht mehr zurecht.“ „Er wird sich nicht ändern.“

„Wir haben es versucht.“


Er hatte ein paar Jahre bei der Familie verbracht. Jetzt wartet er seit einiger Zeit auf eine neue Familie. Viele Menschen kümmern sich um ihn, und einige kommen vorbei und besuchen ihn, streicheln ihn und füttern ihn.

Doch die meisten werden ein Kitten mit nach Hause nehmen. Ein Kater wie er ist nun mal schwer zu vermitteln.


Auf die Idee zu dieser kleinen Geschichte kam ich, da ich immer wieder mitbekomme, dass unheimlich viele Menschen viel zu junge Kitten abgeben und andere diese adoptieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kleinen dann häufig alleine in der Wohnung gehalten werden. Das ist jedoch nicht artgerecht. Katzen brauchen Katzen. Entgegen der leider noch immer weit verbreiteten Meinung, sind Katzen keine Einzelgänger. Es sind soziale Wesen, die unbedingt Freunde der gleichen Art brauchen.

Ist das nicht gegeben, hat das häufig schwerwiegende Folgen. Die Tiere verlernen ihr soziales Verhalten und verkümmern seelisch. Teilweise werden sie aggressiv, zerstören Möbel und Wände, fallen den menschlichen Mitbewohner unvermittelt an und sind grob und unvorsichtig. Natürlich kann auch das Gegenteil der Fall sein und die Katzen werden depressiv, träge und lustlos.

Sie haben niemanden, mit dem sie sich auf „Katzensprache“ unterhalten können, keinen, der sie putzt und auf Katzenart mit ihnen rauft. Die wenigsten von uns haben die Zeit, 24 Stunden lang mit den Fellnasen zu spielen. Die wenigsten von uns werden bereit sein, die Katzen zu putzen oder ihnen Ohren, Fell und Hinterteil abzulecken. Und wirklich keiner von uns wird jemals in der Lage dazu sein, einen Katzenfreund zu ersetzen.

Sollte man – aus welchem Grund auch immer – bevorzugen, Katzen alleine zu halten, freut sich auch eine ältere Tierheimkatze über ein neues Heim, die es aufgrund vorheriger Fehlhaltung gewohnt ist, alleine zu sein. Möchte man Kitten alleine halten, darf bezweifelt werden, ob man der richtige Mensch ist, so sozialen Tieren wie Katzen ein zu Hause zu geben und man sollte davon absehen.

Natürlich werden jetzt einige von euch denken, dass das alles so nicht stimmt. Es gibt ja schließlich Katzen, die alleine sehr glücklich sind.

Es gibt Katzen, die verlernt haben, wie kätzisches Verhalten funktioniert. Katzen, die zu lange ausschließlich unter Menschen waren und sich so schließlich ihrer eigenen Art entfremden.

Ob diese Tiere glücklich sind, müssten sie uns selbst beantworten.

Eure Füchsin

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16 Antworten zu “„Er wird sich nicht ändern.“

  1. Wie alt ist denn dieser Kater? Ich kann dir nur zustimmen Katzen sind keine Einzeltiere, die brauchen noch jemanden zum spielen und raufen!

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    • Der Kater in der Geschichte ist fiktiv und steht symbolisch für alle Tiere, die ein solches Schicksal haben. Er hat mir geholfen besser zu veranschaulichen was ich ausdrücken wollte.

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  2. Ich verstehe die Kritik, dass man Katzen nicht alleine halten sollte. Dennoch wird in all diesen Aufforderungen immer davon ausgegangen, dass man zwei Katzen hat, die ein Herz und eine Seele sind. Wer aber schon mal eine Katzen-Vergesellschaftungen gemacht hat wird wissen, dass es nun mal nicht immer so aussieht! Wir haben zwei Kater die sich (nun nach einem Jahr) akzeptieren und tolerieren. Von Freundschaft oder gar gegenseitigem Putzen kann aber bei weitem nicht die Rede sein. Werden die Katzen nun nicht artgerecht gehalten??? Zu schreiben Katzen sollten nicht alleine gehalten werden ist ja gut und schön und vielleicht auch wichtig, da es vermutlich genug Menschen gibt, die dies nicht beherzigen. ABER über die Problematik der Vergesellschaftung redet niemand, was ich ein bisschen schade finde, weil wir keine Ahnung hatten dass das so schwierig werden kann und waren zeitweise auch sicher überfordert mit der Situation.

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    • Hallo Monika,
      du hast Recht: eine Vergesellschaftung kann sehr schwierig sein und einen gewiss auch mal überfordern.
      Es gibt hierbei tatsächlich einige Dinge zu bedenken. Zum Beispiel ist die richtige Partnerwahl unheimlich wichtig, denn auch wir Menschen mögen ja nicht jede Person, die auf diesem Planeten ihr Leben fristet. Und bei Katzen ist es ähnlich. Sie mögen einander nicht nur weil beides Katzen sind. Daher unbedingt auf Faktoren wie Alter, Charaktereigenschaften und Besonderheiten achten. Bringe am besten keine 10-jährige, ruhige Katze mit einem kleinen, verspielten und wilden Kitten zusammen. Da passen die Interessensfelder nicht zusammen. 😉
      Und es gibt tatsächlich einige Katzen, die gemeinsam leben, sich aber niemals putzen, kuscheln, etc. Das müssen sie auch nicht und dennoch werden sie artgerecht gehalten.
      Zudem sollte man nicht vergessen, dass Katzen keine Menschen sind. Wir neigen oft dazu ihr Verhalten zu vermenschlichen. Das ist jedoch nicht notwendig. Wir sollten darauf vertrauen, dass sie das schon regeln können. Es wird gehauen, gefaucht, geknurrt und manchmal fliegen auch die Fetzen. Aber wichtig ist, dass wir nicht eingreifen. (Es sei denn es fließt Blut) Tun wir das, verlängern und erschweren wir diesen Prozess nur.
      Außerdem möchte ich bemerken, dass man bei der Recherche durchaus rausfindet, dass es nicht immer leicht wird und auf Anhieb funktioniert. Viele Vereine, die Tiere vermitteln leisten auch Hilfe und geben Tipps wie man sich bei Schwierigkeiten verhalten kann, etc.
      Und es ist nie zu spät für eine Freundschaft – Vielleicht lernen deine 2 auch noch sich zu lieben. Vielleicht sind sie aber auch so glückliche und zufriedene Samtpfoten. 🙂
      LG
      die Füchsin

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    • Hallo Dark Lord,
      und genau das ist der Fehler. Ein Mensch kann und wird niemals einen Katzenpartner ersetzen können. Auch andere Tiere wie Hunde, Hasen oder Meerschweinchen können das nicht.
      Vielleicht liest du meinen Blog noch einmal? 😉
      LG
      die Füchsin

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      • Oh, mein Antwort wurde ausnehmend mißgedeutet. Ich habe diesen Fehler, meine Sätze so zu formulieren, dass ie nicht eindeutig erscheinen, um den Lesenden zu bewegen, nachzudenken. Ist natürlich nicht einfach dann, meine Erwartungen zu erfüllen. Das sollte im Grunde eine bejahende, zustimmende Antwort auf deinen Blog sein. Gelesen habe ich diesen durchaus, verstanden ebenfalls. Und das sogar ohne Abi …

        Als Katzenhalter kenne ich durchaus die Problematik eines Einzeltieres …

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      • Dann entschuldige ich mich vielmals und nehme meine Aufforderung selbstverständlich zurück 🙂
        Ich freue mich jetzt natürlich umso mehr über deinen Kommentar und darüber, dass es einen weiteren Menschen gibt, der den Miezen seine Stimme leiht! 🙂
        Und Abitur ist keine Voraussetzung dafür. 😉
        LG
        die Füchsin

        Gefällt 1 Person

  3. Eine schöne Geschichte und ich musste auch selbst erst lernen, dass Katzen alleine (jedenfalls in der Wohnung – auch wenn sie groß und mit schönen Balkon ist) nicht glücklich sind.
    Jetzt habe ich 4 Katzen und wenn es auch mal rappelt in der Kiste, so sind doch glaub ich alle recht glücklich ❤
    Allerdings gibt mir ein Bekannter trotzdem noch zu denken, warum man draußen Katzen tatsächlich immer alleine sieht. Vielleicht haben Freigänger eher den Hang Einzelgänger zu sein ?! Ich weiß es nicht……..

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    • Hallo Susi,
      vielen Dank! Deine Miezen sind dir für deinen „Lernprozess“ sicher sehr dankbar. Es ist wichtig, dass wir uns auch im Bezug auf unsere tierischen Familienmitglieder nicht auf der Stelle bewegen, sondern bereit sind neue Dinge zu versuchen und auch mal über unseren Horizont hinaus zu denken.
      Und zu deinen Bedenken: Auch draußen sind Katzen definitiv keine Einzelgänger. Katzen sind Einzeljäger (im Gegensatz zum Löwen beispielsweise) sind aber meistens in Gruppen anzutreffen. Sie suchen sich auch draussen ihre Gefährten. Als Beispiel kann ich dir eine Anekdote meines letzten Urlaubs nennen: In einer einzigen Straße lagen 19 (!!) Katzen zusammen und haben sich im Schatten entspannt, geschlafen und gespielt.
      Halte die Augen offen, dann wirst du sicher auch solche Erlebnisse machen und deine Bedenken Geschichte werden lassen! 🙂
      LG
      die Füchsin

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  4. Ich habe einen Kater und wollte ihm eine Spielgefährten zulegen. Leider akzeptiert er kein anderes Tier in seinem Revier. Also muss er alleine bleiben und hat sich daran gewöhnt. Damit habe ich die Verantwortung mit ihm zu spielen.

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    • Hallo Christian,
      wie alt ist dein Kater denn und wie bist du bei der Auswahl des Spielgefährten vorgegangen?
      Auch wir Menschen mögen ja nicht jede Person, die man uns „vor die Nase setzt“. Vielleicht darfst du hier einfach genauer schauen welcher Partner zu deinem Fellnäschen passt.
      LG
      die Füchsin

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